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Dynamik bei Rentenversicherungen




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Dynamik bei Rentenversicherungen

Beitragvon Fux4711 » 05.11.2017, 11:25

Hallo zusammen,

ich habe seit 2004 eine private Rentenversicherung mit Dynamik bei der Debeka. In Zeiten von niedrigen Zinsen erschien mir die Dynamik noch wertvoller, da für sie die damals gültigen Konditionen, sprich ein Garantiezins von 2,75% gilt. Die Dynamik selbst sieht wie folgt aus: alle zwei Jahre wird der monatiche Beitrag so angepasst, dass sich die Rentenleistung um 10% erhöht. Soweit, so gut...

Nun hat die Debeka wieder die anstehende Dynamik angekündigt, verweist in dem Schreiben aber darauf, dass für den Erhöhungsbetrag nur noch der aktuell gültige Garantiezins von 0,9% gilt. Die Konditionen aus dem eigentlichen Vertrag würden hier nicht gelten. Das hat zur Folge, dass sich mein monatlicher Beitrag überproportional erhöht, um die durch die Dynamik angestrebte Erhöhung der Rentenzahlung zu erhalten.

Nun stellen sich für mich zwei Fragen. Ist das überhaupt rechtens, dass für die Dynamik auf einmal der aktuelle und nicht zu Vertragsabschluss gültige Garantiezins zugrunde gelegt wird? Falls das der Fall ist, rechnet sich die Überhöhung dann überhaupt für mich? Ich muss noch 27 Jahre einzahlen und sowohl die Renten- als auch die Beitragserhöhung belaufen sich auf ca. 15 €. Das heißt, es lohnt sich für mich nur, wenn ich länger als 27 Jahre die Rente beziehe. Rentabel ist was anderes.

Nun habe ich die Debeka bereits angeschrieben. Dort ist man davon überzeugt, dass alles rechtens ist. Außerdem hat man mir direkt eine chancenorientierte Anlagealternative angeboten (Vielen Dank auch!). Ich überlege nun, das vom Ombudsmann klären zu lassen.

Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen mit der Dynamisierung von privaten Rentenversicherungen gemacht?

Viele Grüße!
Fux4711
Unterversichert ;-)
 

Re: Dynamik bei Rentenversicherungen

Beitragvon VMHB » 08.11.2017, 11:33

Hallo !

Ihre Problematik bzw. diese Vorgehensweise ist leider bei vielen Gesellschaften modern geworden.
Aufschluss über die Rechtmäßigkeit gibt es nur in den ursprünglichen "Besonderen Bedingungen für
dynamische Anpassungen", die Ihrem Vertrag zugrunde liegen.

Ist dort kein Vermerk enthalten, mit welchem Garantiezins Anpassungen erfolgen, wird es schwer.
Die Argumentation der Gesellschaften lautet eben, dass jede Dynamik quasi einem Neuabschluss gleicht
und somit die Vorgehensweise korrekt ist.

Einer Beschwerde diesbezüglich beim Ombudsmann messe ich persönlich eher weniger Erfolg bei.

Momentan bedeutet das für Sie, dass ihre garantierten Werte nicht mehr wie bisher steigen.
Sollte es aber bei der Überschussbeteiligung (derzeit 2,75%) bleiben, haben Sie im Endeffekt
das gleiche Ergebnis, als wenn der alte Garantiezins als Grundlage genommen würde.

Bedeutet bisher: 2,75% Garantie + "null" Überschuss => 2,75% gesamt
Bedeutet "neu" : 0,9% Garantie + 1,85% Überschuss => 2,75 % gesamt

Ihre bisherigen Beiträge als auch dynamischen Anpassungen müssen aber weiterhin mit garantiert
2,75% verzinst werden.

Somit stellt sich tatsächlich die Frage, die Dynamiken spätestens dann einzustellen, wenn die gesamte
Überschussbeteiligung unter 2,75% fällt.
Weiterhin sind Dynamiken aufgrund der Kostenthematik und relativ kurzen Restlaufzeit bis zum Vertragsende
irgendwann auch nicht mehr geeignet, der Inflation entgegen zu halten.

Hier könnte man tatsächlich überlegen, zukünftige Dynamiken in eine bspw. ETF-Police oder kostenreduzierten
Vertrag zu investieren.

Viele Grüße
VMHB
versali.de




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VMHB
Überversichert ;-)
 

Re: Dynamik bei Rentenversicherungen

Beitragvon Fux4711 » 20.04.2018, 18:13

Danke für die ausführliche Antwort!

Die Überlegung mit der Überschussbeteilgung habe ich auch angestellt. Allerdings habe ich Ende 2017 dann entschieden, erstmal die Dynamik auszusetzen. Nächstes Jahr bewerte ich die Situation neu, vor allem in Hinblick auf die dann geltende Überschussbeteiligung.

Was Ombudsmann angeht, da rechne ich mir auch wenig Erfolg aus. Die Versicherungsbedingungen sind da eindeutig.

Eine chancenreichere Police ist sicherlich interessant, aber eben nur ergänzend und nicht als Ersatz für ein Garantieprodukt.

Schöne Grüße an alle!
Fux4711
Unterversichert ;-)
 

Re: Dynamik bei Rentenversicherungen

Beitragvon Axel333 » 06.10.2018, 19:29

Hallo,
ich weiß nicht, ob hier noch jemand mit liest ... ich schreibe trotzdem mal :-)
Ich finde es schon bemerkenswert, dass hier sofort einen Beitrage gefunden habe, der *genau* mein Problem beschreibt!

Auch ich habe 2004 bei der Debeka eine dynamische Rentenversicherung abgeschlossen; auch mit 2,75% Garantiezins und mit Kapitalwahlrecht.Vor ein paar Wochen habe ich auch das Schreiben mit der 0,9% Klausel erhalten.

Dass es sich nicht lohnt, habe ich selbst ausgerechnet. (Ich zahle 15 Jahre lang á 12 Monate 42,94€ mehr an Beitrag, macht in der Summe = 7.729,20 €. Die Kapitalabfindung erhöht sich aber nur um 7.508,00 € ... also mache ich 221,20 € VERLUST) Ich habe hier eher die Frage, ob das rechtens ist. Muss die Debeka die Verbraucher nicht darauf hinweisen, wenn sie bei einer Kapitalversicherung verluste machen, statt etwas anzusparen?

Auch ich habe die Debeka angeschrieben und erklärt, wie ich gerechnet habe. In der Antwort stand, dass das alles seine Richtigkeit hätte, weil -Zitat- "In der Vergangenheit wurden Sie somit besser gestellt, als es Ihnen aufgrund der vertraglichen Regelungen zugestanden hätte. Sie haben über viele Jahre von dieser Besserstellung profitiert." ... in der Anwort wird aber nicht darauf eingegangen, dass es richtig ist, dass ich Verluste mache. Es ist - im Gegenteil - alles sehr kompliziert geschrieben ...ich jedenfalls verstehe nicht alles.

Ich hätte ja noch Verständnis, wenn sich mein Sparertrag gegen null ändert, ich also in den restlichen 15 Jahren durch die Erhöhung statt 221 € Verlust *nur* 0,91€ Gewinn machen würde...

Aber so ist das für mich absichtliche Täuschung des Verbrauchers und gehört bestraft! Denn der Zinssatz von 0,9% gauckelt dem Versicherungsnehmer vor, dass er zwar weniger Gewinn macht ... aber keinen Verlust! Ich bin der Meinung eine Versicherung hat die Pflicht, den Kunden (auch) zu beraten und zu betreuen!

Wie ist die Meinung hier im Forum?

vg Axel
Axel333
Unterversichert ;-)
 

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