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Auch bei unerlaubtem Ritt haften Pferdehalter

Black Friesian horse in the sunset with riderSelbst dann, wenn Fremde ohne ihr Wissen auf dem Pferd reiten, haften Pferdehalter für dabei entstehende Verletzungen. Zu diesem Urteil kam der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Fall.

Pferde-Haftpflichtversicherung – Unverzichtbar für den Pferdebesitzer

Da es sich gemäß dem Bundesgerichtshof bei einem Unfall mit einem Pferd um eine „spezifische Tiergefahr“ handelt, müssen laut Gesetz Tierhalter auch ohne ein persönliches Verschulden für die entstehenden Schäden einstehen. Dies gilt sogar dann, wenn das Pferd ohne ihr Wissen von Fremden geritten wird.

Daher sollten Halter von Pferden stets eine Haftpflichtversicherung abschließen. Wie an dem aktuellen Fall erkennbar ist, können auf den Halter selbst ohne eigenes Verschulden hohe Geldforderungen zukommen. Im besagten Fall brach sich eine Frau den Oberkiefer, als sie in der Reithalle versuchte auf ein Pferd zu steigen und dabei stürzte. Sie forderte daraufhin die Pferdehalterin zu der Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 20.000 Euro auf. Das Landgericht Dortmund und das Oberlandesgericht Hamm wiesen die Klage ab, da nicht nachgewiesen werden konnte, dass das in der Reithalle anwesende Personal ihr das Reiten erlaubt hatte. Der Bundesgerichtshof (BGH) bejahte jedoch eine anteilige Haftung der Halterin.

Tierhalter haften bei spezifischer Tiergefahr auch ohne Verschulden

Die Richter des BGHs begründeten ihr Urteil damit, dass es bei dem Unfallhergang um eine „spezifische Tiergefahr“ handelt. Und dafür müsse der Tierhalter kraft Gesetz auch ohne persönliches Verschulden haften. Somit haftet die Tierhalterin auch dann, wenn sie den Ritt nicht genehmigt hat. Allerdings musste sich die Reiterin ein Mitverschulden anrechnen lassen, da die ansonsten üblichen Verhaltensregeln für Reiter nicht eingehalten wurden. So trug sie beispielsweise keine Reitkappe, benutzte nicht die Aufstiegshilfe und hatte die Zügel während des Aufsteigens nicht aufgenommen.

Anders sehe es laut dem BGH nur dann aus, wenn sich jemand ganz bewusst einer Gefahr aussetzt. Diese muss über die normalerweise mit der Nähe zum Pferd oder dem Reiten verbundenen Gefahren hinausgehen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Pferd noch nicht angeritten ist oder wenn das Pferd erkennbar bösartig sei.
Die deutsche Rechtsordnung kennt in bestimmten Fällen neben der Verschuldenshaftung auch eine Verantwortung für die Gefährdung Dritter ohne eigenes Verschulden. Unter anderem zählt dazu auch das Halten von „Luxustieren“. Hier ist immer der Halter des Tieres verantwortlich und somit schadensersatzpflichtig.

Als Tierhalter gilt derjenige, der:

  • über das Tier bestimmen kann,
  • für die Kosten des Tieres aufkommt,
  • das Risiko des Verlustes trägt.

In der Regel ist dies der Eigentümer, jedoch wird juristisch zwischen den Begriffen Tierhalter und Eigentümer unterschieden.

Bildquelle: © Viktoria Makarova – Fotolia.com

Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)