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Hebammen finden keine bezahlbare Haftpflicht

happyViele Hebammen fürchten um ihre Zukunft, denn die Gruppenversicherung für Hebammen bricht derzeit zusammen. Eine staatliche Hilfe würde das Problem nur aufschieben, daher hängen immer mehr freiberufliche Hebammen ihren Job an den Nagel.

Wenn die Absicherung zu teuer wird

Die deutschen freiberuflichen Hebammen klagen über zu hohe Versicherungsprämien für die unverzichtbare Berufshaftpflichtversicherung. Und die Gruppenversicherung, die die Hebammenverbände mit mehreren Versicherungsgesellschaften ausgehandelt haben, steht vor dem Aus! Ab Juli 2015 wird die Nürnberger Versicherung aus dem Gruppenverband aussteigen und Ersatz ist nicht zu finden. Die einzige verbliebene Möglichkeit für freie Hebammen ist eine Absicherung bei der Allianz – doch diese ist gemäß Verband zu teuer.

Ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen weder als freie Hebammen in Kliniken noch in Geburtshäusern arbeiten. Sie dürfen keine Schwangeren versorgen, keine Geburten betreuen und auch keine Wochenbettpflege übernehmen. Daher bedeutet es faktisch ein Berufsverbot, wenn keine Versicherung vorliegt.
Direkt betroffen sind rund 3.500 freie Hebammen. Zwar übernimmt bei festangestellten Klinikhebammen das Krankenhaus deren Versicherung, jedoch müssen sie ein Restrisiko privat tragen.

Hebammenverband verkündet kurzfristige Lösung

Nach einem Treffen der Hebammenverbände mit dem Gesundheitsminister Hermann Gröhe wurde eine kurzfristige Lösung des Problems verkündet – doch das Ministerium konnte dies nicht bestätigen, auch wenn das Thema sehr ernst genommen würde. 5.091 Euro kostet es, wenn sich eine Hebamme bei der Geburtshilfe absichern will. Bei einem durchschnittlichen Nettolohn von 8,50 Euro pro Stunde lohnt sich die Versicherung kaum. Eine Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums ergab, dass der Anteil der Hebammen zwischen 2008 und 2010 um vier Prozent gesunken ist.

Es ist keineswegs so, dass mehr Geburtsschäden für den Prämienanstieg verantwortlich sind. Paradoxerweise ist es der medizinische Fortschritt, der die Haftpflicht so teuer macht. Denn Kinder mit Geburtsschäden haben durch die bessere ärztliche Versorgung eine höhere Lebenserwartung, werden länger behandelt und verursachen so mehr Kosten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erklärt dazu: „Von 2003 bis 2012 sind die Kosten für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent gestiegen“. Jährlich gehen beim Hebammenverband rund 50 Schadensersatzforderungen ein.

Eine Lösungsmöglichkeit wäre es, die gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung in die Pflicht zu nehmen und diese für die Folgekosten von Geburtsschäden zahlen zu lassen. Aus diesem Grund fordert der Deutsche Hebammenverband, dass die Schadenssumme gedeckelt wird. Und auch die Regressforderungen der Krankenkassen gegenüber den Haftpflichtversicherern müssten auf eine bestimmte Höhe begrenzt werden. Das Hauptproblem sei aber, dass die Vergütung der Hebammen durch die Krankenkassen so gering ist. Erst nach Protesten wurde sie im vergangenen Jahr erhöht.

Bildquelle: © detailblick – Fotolia.com

Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)