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Lebensversicherungen – Bewertungsreserven werden neu geregelt

LebensversicherungDie Bundesregierung sucht derzeit nach Lösungen, um Lebensversicherungskunden künftig an den Bewertungsreserven zu beteiligen. Dies wird von der in Köln sitzenden Deutschen Aktuarvereinigung begrüßt, da damit die Gerechtigkeitslücke zwischen den Kundengenerationen geschlossen werden könne.

Bewertungsreserven – was ist das?

Unter Bewertungsreserven versteht man die bilanziellen Buchgewinne von Wertpapieren. Liegt der aktuelle Marktwert eines festverzinslichen Wertpapiers, wie beispielsweise einer Staatsanleihe, oberhalb des ursprünglichen Kaufwertes, so spricht man von Bewertungsreserven. Da diese Papiere in der Regel allerdings bis zum Ende behalten werden, sind dies nur Scheinreserven und keine tatsächlichen Erträge, da sie sich zum Ende hin wieder auflösen. Der tatsächliche Wertzuwachs liegt in der alljährlichen Zinsausschüttung.

Seit sich nun in Deutschland die Zinsen auf Tiefstwerte halten, haben die festverzinslichen Wertpapiere der Lebensversicherungen hohe Bewertungsreserven gebildet. Doch auch hier ist der Wertzuwachs nur vorübergehend – je näher der Fälligkeitszeitpunkt rückt, umso stärker gleicht sich der Wert der Police an das Anfangsniveau an. Am Ende der Laufzeit sinken die Bewertungsreserven immer auf Null. Halten Versicherer nun festverzinsliche Lebensversicherungen bis zum Laufzeitende, so erhalten sie aus den Bewertungsreserven auch keine Erträge.

Warum will die Bundesregierung den Versicherern entgegenkommen?

Erst seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen ihren Kunden die Hälfte der Bewertungsreserven auszahlen, wenn die Verträge auslaufen. Davon profitieren derzeit also ausschließlich diejenigen, die ihre Verträge vorzeitig kündigen oder sofort ausgezahlt bekommen. Doch Versicherte, die ihre Verträge noch bis zum Ende halten und somit erst in einigen Jahren fällig werden, müssen sich mit weniger Rendite zufriedengeben. Nun will die Bundesregierung den Lebensversicherern mit ihrem Maßnahmenpaket entgegenkommen. Staatssekretär Michael Meister (CDU) dazu: “Das Bundesfinanzministerium strebt eine langfristige Stabilisierung der Lebensversicherungen an”. Experten vermuten, dass auch der Garantiezins gekappt sowie die Vermittlerprovisionen gedeckelt werden sollen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hingegen hält eine Kürzung der Bewertungsreserven nicht für gerechtfertigt. Dadurch falle die Rendite für die Versicherten nochmals niedriger aus.

Derzeit würden rund 95 Prozent der Kunden mit langlaufenden Lebensversicherungen von der geplanten Neuregelung profitieren. Zudem sind die Versicherer nicht mehr gezwungen, hochverzinste Papiere frühzeitig zu verkaufen, um letztendlich die auf dem Papier stehenden Buchgewinne an ihre Kunden auszuzahlen. Die jetzige Regelung ist für die Mehrheit der Lebensversicherten ungerecht. Auch die Sonderausschüttungen, die an die jetzt auslaufenden Verträge gezahlt werden müssen, schwächen die Rücklage für die Kunden, deren Lebensversicherungspolicen noch länger laufen.
Wie nun das Gesetz geändert wird, ist derzeit noch vollkommen unklar.

Bildquelle: © Marco2811 – Fotolia.com

Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)