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Wildunfälle ohne Berührung: Darf der Versicherer die Leistung verweigern?

Achtung WildEin Urteil des Amtsgerichts Bad Segeberg vom 30.10.2014 mit dem Aktenzeichen 17 C 64/14 ergab: Ein Teilkasko-Versicherer ist auch dann zur Leistung verpflichtet, wenn ein Fahrer wegen Rehen eine Vollbremsung durchführen muss und das Fahrzeug deshalb bei Schneeglätte von der Fahrbahn abkommt. In solch einer Situation muss es allerdings nicht zwangsweise auch zu einer Berührung mit den Tieren kommen.

Der Unfallvorgang bei glatter Fahrbahn

Im vorliegenden Fall war der Kläger mit einem Personenkraftwagen auf einer Straße unterwegs, die durch Schnee glatt war. Wegen zwei Rehen, die die Fahrbahn überquerten, wurde dieser zu einer Vollbremsung veranlasst. Trotz einer Geschwindigkeit, die etwa 50 bis 60 km/h betrug, kam das Fahrzeug wegen des Bremsmanövers von der Straße ab und prallte anschließend gegen einen Baum. Zu einer Berührung mit dem Wild kam es dabei nicht.

Der Kläger machte die durch den Unfall an seinem Fahrzeug entstandenen Schäden bei seiner Teilkaskoversicherung geltend. Doch diese lehnte die Regulierung des Schadens mit der Begründung ab, dass eine Vollbremsung angesichts der Glätte der Fahrbahn unangemessen gewesen sei. Ebenso wurde die Behauptung des Klägers, er sei wegen der Rehe von der Fahrbahn abgekommen, angezweifelt.

Reaktion war nachvollziehbar und notwendig

Dieser Auffassung schloss sich das Amtsgericht Bad Segeberg nicht an. Es gab der Klage des Verunfallten gegenüber seinem Versicherer statt. Denn obwohl es zu keiner Berührung mit dem Wild gekommen sei, muss nach Ansicht des Gerichts der Versicherer den Fahrzeugschaden als sogenannte Rettungskosten ersetzen. In solchen Fällen, wie dem des Klägers, besteht gegenüber der Teilkaskoversicherung auch dann ein Anspruch, wenn der Fahrzeugführer eines versicherten Autos ein Ausweich- oder Bremsmanöver für notwendig hält. Und dies war laut Meinung des Amtsgerichts angesichts der zuvor geschilderten Tatbestände der Fall. Dem Kläger ging es schließlich ausschließlich darum, einen Zusammenstoß mit den Rehen zu vermeiden – deshalb fand auch das Bremsmanöver statt.

Gemäß dem Gericht wurde die Reaktion des Klägers auch nicht als unangemessen eingestuft. Denn er war mit einer angemessenen Geschwindigkeit unterwegs und eine Vollbremsung war trotz glatter Fahrbahn angebracht. Im Übrigen hielt das Gericht die Schilderung des Unfalls des Klägers für glaubwürdig. Daher ist es Sache des Versicherers, das Gegenteil zu beweisen.

Bildquelle: (cc) Nemo – pixabay.com
Autorin: Christine Krellner (Google+ Profil)